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Ein Künstler projizierte Dating-Chats im öffentlichen Raum. Nun wurde die Installation vorzeitig beendet. Fragen bleiben.

Mehr als nur ein Spiel: Dries Verhoevens Performance in Berlin. Da Verhoeven schwul ist, nutzte er vor allem die App Grindr, die mögliche Sexpartner in der Nähe anzeigt. Verhoeven chattete andere Männer an, aber nicht für Sex, sondern um mit ihnen über den Tod zu reden, Pfannkuchen zu machen, Schach zu spielen.

Öffentlich waren dabei auch die Chats und Bilder aus den Apps: Manche erkannten sich oder Freunde auf den Bildern, ein Chatpartner rastete aus, als er auf dem Heinrichplatz ankam und sah, dass seine Nachrichten öffentlich projiziert wurde. Er schlug auf den Künstler ein, erstattete Anzeige und organisierte Protest, der sich über soziale Netzwerke verbreitete. Der Protest wurde zum Shitstorm: Der Künstler erhielt Drohungen, gay dating app berlin gay dating app berlin zum Boykott des Theaters auf.

Manche sprachen von "digitaler Vergewaltigung" und warfen Verhoeven vor, die Schwulen zu seiner eigenen Profilierung vorzuführen. Die Diskussion der knapp Besucher verlief aggressiv und emotional. Offenbar hat die gescheiterte Kunstaktion auf vielen Ebenen Fragen aufgeworfen, die nicht nur Homosexuelle berühren. Und das geht nicht nur Schwule an. Bei beiden lädt man ein Bild von sich hoch, weitere Angaben sind spärlich, Schlüsselreiz ist der erste Eindruck des anderen Menschen, mit Photoshop geglättet, verfremdet, ein paar Jahre alt oder irgendwo herauskopiert: Wer im realen Leben ein Date haben will, muss in der virtuellen Welt mit allen Mitteln punkten.

Apps machen das Online-Dating mobil. Super, wenn gay dating app berlin wirklich nur mal jemanden schnell für Sex klarmachen möchte, aber es gibt das Problem der doppelten ständigen Verfügbarkeit. Man selbst ist verfügbar, online sein bedeutet: Sex jetzt geht. Also auch, wenn man gay dating app berlin der Supermarktkasse nur mal eben aus Langeweile auf dem Smartphone herumklickt, signalisiert man: Nimm mich!

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Gay dating app berlin ist der an der Supermarktkasse erchattete Fick dann doch der Traumpartner. Das führt zur anderen Seite der Verfügbarkeit: Verhoeven beschrieb, wie schwierig es für ihn war, singles wels land dauerhaft auf einen Partner einzulassen, weil er wusste, dass in seiner Hosentasche nur wenige Klicks oder Wischer entfernt jede Menge Alternativen gay dating app berlin.

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Die schiere Masse der verfügbaren Optionen macht die Entscheidung schwierig. Das ist kein neues Thema. Aber dennoch eines, das man immer wieder aufwerfen kann. Wen also adressiert Verhoeven hier? Es täuscht etwas Gemeinsames vor, bleibt dabei aber höchst subjektiv.

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Nicht alle schwulen Facebook-Nutzer empfinden dasselbe - sie kommunizieren nur über dasselbe Medium. Die einen suchen im Netz nach Kochrezepten, die anderen Pornos. Die einen holen sich vor ihrer Webcam einen runter, die anderen sprechen mit ihren entfernten Verwandten über Skype.

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Die Lebenswirklichkeit von Verhoeven als schwuler Mann muss nicht die Wirklichkeit eines anderen schwulen Mannes abbilden. Aber er ist er - und nicht du und nicht ich.

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Verhoeven ist Verhoeven. Und nur weil er schwul ist, kann er nicht für alle Schwulen dieser Nation sprechen. Ähnlich absurd ist allerdings, wenn andere seinen kulturkritischen Ansatz zerstören wollen, gay dating app berlin sie bei Diskussionsrunden sagen: Sie wissen es vielleicht, ihre schwulen Freunde eventuell auch, aber dann hört es auch schon auf. Es geht ums Gay dating app berlin.

Der Künstler wollte unter anderem darauf aufmerksam machen, dass schwule Männer modernste Kommunikationstechnologien vor allem zum Austausch von Körperflüssigkeiten nutzen - also um möglichst unkomplizierten, halbanonymen Sex miteinander zu haben.

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Es handelt sich um einen digitalen Darkroom, der längst zum Alltag vieler Schwuler gehört. Er wollte darauf hinweisen, dass Schwule nicht nur aus Schwänzen bestehen, sondern auch Menschen sind. Das kann man als naiv bezeichnen, womöglich als überkommene Kulturkritik bewerten. Spannend aber ist, wie sehr die aufgebrachten Diskutanten darum bemüht sind, den Eindruck zu vermeiden, dass sich hinter ihrem Grindr-Profil eben auch ein Schwanz verbirgt; dass diese Plattformen der Promiskuität gewidmet sind und einer Sexualität dienen, die von der Mehrheitsgesellschaft abweicht.

Fast erscheint es, als ob Dries Verhoeven, der auf einen internen Missstand hinweisen wollte, nun als Nestbeschmutzer erscheint. Als jemand, der der Öffentlichkeit gay dating app berlin, was die Schwulen wirklich machen. Obwohl diese sich doch in der Öffentlichkeit stets um Entsexualisierung bemühen: Seht her, Mehrheit, wir sind wie ihr, wollen heiraten und Kinder bekommen.

Der in diesem Sinne augenfälligste Vorwurf an Verhoeven: Als Gay dating app berlin gab es dann zum Beispiel öffentliche Grünanlagen und Toiletten. Nicht wirklich sicher, aber dank Dunkelheit Park und kanalisationsartiger Verborgenheit Klappen halbwegs geeignet, die bürgerliche Existenz homosexuell empfindender Männer zu gewährleisten.

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Später dann kam die professionalisierte Variante dieser Grauzone auf den Markt, nämlich der sogenannte Darkroom als gastrokommerzieller Erlebnisbereich im Keller einer Kneipe - an deren Tür man klingeln musste, zum Schutz der Gäste.

Diese Bars mit Darkroom und auch die Badehäuser, das waren und sind Bunkeranlagen, in denen sich die Minderheit nicht als Minderheit fühlen muss, weil sie dort schlicht die Mehrheit ist.

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Dann kam das Internet. Die Bunker würde keiner mehr brauchen. Denn wer braucht Bunker in einer offenen, freien Gesellschaft, in der Homosexualität nicht mehr strafbar ist?

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